Die Rückkehr der Wölfe – was kommt da auf uns Schafhalter zu?!

Vom Wesen des Wolfes - von Christine Günther -

Aus dem ZVSP-Rundschreiben 4/2016 vom 5.1.2016:

Dass der Wolf sich seinen ursprünglichen Lebensraum in Deutschland langsam zurück erobert, ist vor allem uns Schafhaltern mittlerweile bekannt. Doch mit was genau müssen wir nun rechnen? Was ist das eigentlich für ein Tier? Ist die Schafzucht damit am Ende? Woher bekomme ich Unterstützung(finanzielle und tatkräftige)? Dies alles wird in den nächsten drei Ausgaben des Rundschreibens behandelt.

Die Rückkehr dieses Tieres ist nichts Neues, wie es so oft dargestellt wird. Wölfe versuchten, nach ihrer Ausrottung um 1900, immer wieder Deutschland zu besiedeln. Dies war jedoch nicht möglich, da eine Jagd auf sie lange Zeit legal war. Die Voraussetzungen einer natürlichen Wiederbesiedlung des Wolfes in Deutschland, sind mit der Wiedervereinigung und der damit verbundenen Ausdehnung des Schutzstatusses auch in den neuen Bundesländern geschaffen worden. Als Habitatgeneralist ist der Wolf, als sehr anpassungsfähiger Beutegreifer, nicht an geschützte Waldgebiete gebunden. Lediglich Rückzugsgebiete zur Jungenaufzucht und ausreichend Beutetiere sind für die Wiederbesiedelung notwendig.

Jungwölfe verlassen ihr heimisches Rudel mit ca. 15 bis 20 Monaten. Auf der Suche nach geeigneten Fortpflanzungspartnern und neuen Revieren können diese innerhalb 24 Stunden bis zu 70 km zurücklegen. Es wurde anhand besenderter Wölfe nachgewiesen, dass Individuen durchaus weit über 800 km Luftlinie in Summe wandern können (unter anderem Wolf „Alan“ 2009). Dies entsprach einer Wegstrecke von über 1500 km.So mit könnten zu jeder Zeit an jeder Stelle in Deutschland Wölfe auftauchen und Gebiete, die für den Menschen vielleicht als ungeeignet angesehen werden, besiedeln. Im Monitoringjahr 2015/2016 wurden in Deutschland 46 Wolfsrudel, 15 Wolfspaare und 4 sesshafte Einzeltiere nachgewiesen. Diese Rudel erstrecken sich hauptsächlich über Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen. Ein Wolfsrudel in freier Wildbahn ist immer eine Wolfsfamilie. Sie besteht aus den Elterntieren, den Jungen aus dem aktuellen Jahr und den Jungen des vergangenen Jahrs. Die sogenannten Jährlinge helfen den Eltern bei der Jungenaufzucht und lernen von den Eltern bis sie abwandern. Aber auch das Abwandern ist ein langsamer Abnabelungsprozess. Die Jungwölfe streifen immer weiter um das elterliche Territorium, kehren oft nach Tagen wieder zurück um dann irgendwann ganz abzuwandern. 

 

Hierbei wandern die Rüden oft weitere Strecken als die Fähen (weibliche Tiere). Die Größe eines Wolfsterritoriums ist von der Beutetierdichte abhängig. Je mehr wildlebende Huftiere vorhanden, desto kleiner sind die Wolfsreviere. In Deutschland sind die Territorien üblicherweise zwischen 150 km² und 350 km² groß. Diese Familienstrukturen und das hoch soziale Verhalten dieses Säugetieres ähneln den menschlichen Familienstrukturen enorm. Verletzte Tiere werden mitunter wochenlang von den anderen Familienmitgliedern mit Futter versorgt. Es wird vermutet, dass dies einer der Gründe ist, warum der Wolf das Tier war, das vom Menschen, noch vor Schaf, Ziege und Rind (vor 14.000 bis   16.000 Jahren) domestiziert wurde.

 

 

 

 

Im Zuge des Wolfsmonitorings in der Lausitz wurden seit 2001 Wolfslosungen gesammelt und untersucht um die Ernährungsgewohnheiten der Wölfe zu dokumentieren. Seine natürliche Nahrung besteht aus großen bis mittelgroßen, wildlebenden Huftieren. In Europa sind Rothirsch, Wildschwein und Reh die Hauptbeute. Der Wolf ist in seiner Nahrungswahl extrem anpassungsfähig. Er greift auf die am leichtesten zu erreichende und am effektivsten zu jagende Beute zurück. Je wehrhafter die Beutetierart ist, desto eher bevorzugt er Jungtiere und alte, schwache oder kranke Individuen und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht unserer Natur. Je nach Nahrungsverfügbarkeit (vor allem Verfügbarkeit von Jungtieren) und -erreichbarkeit kann die Zusammensetzung des Speiseplans saisonale oder jährliche Schwankungen aufweisen. Meist bevorzugen Wölfe eine oder wenige Beutetierarten, die leicht zu erbeuten und in ihrem Territorium besonders häufig vertreten sind. Fakt ist jedoch auch, dass in Gebieten, in denen Wölfe zum ersten Mal auftauchen, die Anzahl der Übergriffe auf Nutztiere größer ist, als in Gebieten in denen ein Wolfsrudel schon längere Zeit etabliert ist. Das liegt zum Einen daran, dass in solchen Gebieten die Nutztierhalter ihre Herden bisher nur vor einem Ausbrechen schützen mussten, nicht jedoch vor einem Eindringen eines Beutegreifers. Zum Anderen testen die Wölfe in einem neuen Gebiet auch eher die potentiellen Nahrungsquellen aus. Wenn diese dann auf unzureichend geschützte Herden treffen und Erfolg bei ihrer Jagd haben, werden sie das selbstverständlich weiter und immer wieder tun. Aufgabe von uns Nutztierhaltern ist es also, auch in Gebieten in denen noch keine Wölfe nachgewiesen wurden, unsere Schafe so zu schützen, dass Wölfe nicht zu diesem Erfolgserlebnis kommen. Das heißt, sie sollten Schafe erst gar nicht als Beutetier in ihr Repertoire aufnehmen. Doch das ist leichter gesagt als getan, wie wir alle wissen. In der nächsten Ausgabe des Rundschreibens geht es darum, wie wir unsere Herden am besten gegen das Eindringen dieses Beutegreifers schützen können und wo wir dabei Hilfe und möglicherweise auch finanzielle Unterstützung bekommen können.